Wenn Buddhisten scherzen...

Meister, Meister, wie lange brauche ich bis zur Erleuchtung?

- Nun, vielleicht 20 Jahre.

Und wenn ich mich wirklich sehr anstrenge?

- Dann 40 Jahre.

Nach-Lese 2

geschenk buch mann frau
Foto: Corradox | wikipedia

Am vergangenen Samstag besuchte ich gleich noch eine Lesung, und zwar in Maienfeld, einem von Weinbergen umgebenen zauberhaften Städtchen in Graubünden in der Schweiz. Das heißt, von den Weinbergen sah ich spät abends eigentlich nichts - nur den Wein :-) Und weitere Bündner Spezialitäten, die im so genannten Klostertorkel aufgetischt waren: Dem Raum, in dem ehemals der Wein der Klosterwirtschaft gekeltert wurde (Torkel = Weinpresse). Nun beherbergt er einen wunderbaren Kulturort. Meine Freundin, die Autorin und Schreibpädagogin Edith Truninger, las dort dort zusammen mit der schweizer TV-Moderatorin Monika Schärer; Anlass war die Vernissage des 4. Heftes der Literaturzeitschrift Täxtzit. Nachdem ich mich ins Schwizerdütsch eingehört hatte, konnte ich der Moderation sogar weitgehend folgen :-) 

Und die vorgelesenen Texte sind ohnehin in Hochdeutsch abgefasst, doch sie haben alle einen Bezug zur Schweiz. Wie auch Wie Katze und Mamba, der Vorabdruck aus Ediths Roman Hibiskus Corner, der im zweiten Halbjahr 2014 erscheint. Ich freu mich drauf!

Nach-Lese

Lesung Regensburg
Francisco Castiñeira liest. Foto: María

Am 12. Dezember war es so weit: Bei Glühwein, Kinderpunsch und Plätzchen lasen die Teilnehmenden zweier Volkshochschulkurse im Künstlerhaus vor etwa 20 Gästen aus ihren Texten. Gemeinsam mit Rolf Stemmle, bekannter Regensburger Autor und ebenfalls Leiter einer Schreibwerkstatt an der VHS, verwandelte ich die Werkstatt im Erdgeschoss des Hauses in einen Auftrittsort. Zum ersten Mal war ich Gastgeberin für eine kleine Veranstaltung hier und staunte, welche Atmosphäre sich mit wenigen Handgriffen erzeugen ließ! Für das "Catering" sorgten auch die Besucher - danke dafür. Und natürlich für die Lesenden, die sich mutig und souverän dem Publikum präsentierten. Francisco Castiñeira, der bereits einen Kurzgeschichtenband in seiner Muttersprache Galizisch veröffentlicht hat, debütierte sogar in deutscher Sprache. Mir hat der Abend sehr viel Spaß gemacht, nicht nur die Gedichte und Geschichten, sondern auch die Gespräche am Rande. Danke an alle!

Maulwurfshügel beobachten

Ein Sonntagnachmittag im Dezember. Der Wetterbericht meldet Wolken über ganz Bayern. Ganz Bayern? Nein: Ausgerechnet über Regensburg, der Stadt mit den vermutlich meisten Hochnebeltagen in ganz Bayern, klafft ein Loch in den Wolken. Bis ich allerdings rauskomme, hat sich der Sonnenschein schon fast verflüchtigt. Zuvor meinte ich noch ein paar kleine Haushaltspflichten erledigen zu müssen. Nun aber sitze ich auf einer Bank an der Donau. Für Anfang Dezember ist es nicht besonders kalt. Ich schaue über die sich blaugrau kräuselnde Donau zu den Winzerer Höhen hinüber.

Doch was ist das? Am unteren Rand meines Gesichtsfeldes regt sich was. Ich schaue genauer hin: Direkt zu meinen Füßen ist die speckigbraune Erde aufgetürmt wie Kuchenstreusel. Darunter ackert jemand. Ich warte. Da! Schon wieder bewegt sich was, und ich erwarte fast, ein kleines Schaufelhändchen oder eine Schnauze aus dem Dreck spitzen zu sehen. Aber da ist der Maulwurf ganz bei sich selbst. Unterirdisch buddelt er und denkt gar nicht daran, ans Licht der Welt zu treten. Vielleicht müssen die Gänge für den Winter tiefer gelegt werden? Und er hat kein Bedürfnis, rauszukommen. Alles, was er braucht, findet er unter der Erde. Beruhigt und beschwingt kehre ich in meine Wohnhöhle zurück.

Die Stunde der Migranten

Sonntagmorgens um viertel nach sieben im Sechserbus: Für mich eine unübliche Zeit und ein unübliches Verkehrsmittel. Viele Menschen sind noch nicht unterwegs. Dafür aber einige, deren Vorfahren nicht unbedingt nur Bajuwaren waren - wobei die Bayern selbst im Laufe der Jahrhunderte ja auch den verschiedensten ethnischen Einflüssen aus nah und fern ausgesetzt waren. Der müde junge Mann auf dem Doppelsitz nebenan jedenfalls könnte aus Indien stammen, oder auch Pakistan. Kommt er von der Arbeit nach Hause? Er wirkt auf mich nicht so, als ob er einfach die Nacht durchgefeiert hätte. Schon gar nicht im Stadtwesten, aus dem der Bus kommt. Obwohl: Die meisten Nächte habe ich wohl in privatem Rahmen durchgemacht, im angeregten Gespräch. Vielleicht auch er. Vielleicht sind ferne Verwandte zu Besuch, und es gab ein großes Fest? Neben ihm liegt etwas, das aussieht wie ein Kellnergeldbeutel. Vielleicht muss ich deswegen ans Hotelgewerbe denken. Möglich, dass er irgendwo eine Morgenschicht beginnt. Und der andere Mann? Der, der so dunkelhäutig und wettergegerbt aussieht? Ziemlich dünn ist er. Drahtig auch. Trägt Jeans und eine Jacke, die für die Jahreszeit zu kalt sein dürfte. Später steigen ein paar schwarze Frauen zu. Was sagt es über mich, dass ich an Putzfrauen denken muss? Andererseits sind die ja wirklich oft zu nachtschlafender Zeit unterwegs - und wenn das gemeine Volk dann wach ist, glänzen Büros und Läden sauber... Vielleicht aber fahren die Frauen auch ans Klinikum und kamen als dringend benötigte Pflegekräfte ins Land. Fragen über Fragen... und nur deshalb, weil ich einmal an einem für mich ungewohnten Ort, zu ungewohnter Stunde unterwegs bin. Der Stunde der Migranten...

Alexander Steele (Hrsg.): Creative Writing

Romane und Kurzgeschichten schreiben

Autorenhaus Verlag 2004

 

Das Buch folgt dem Gotham Writers Workshop, einer Privatschule für Kreatives Schreiben in New York. In zehn aufschlussreichen Kapiteln führen verschiedene Dozenten und Dozentinnen in das Handwerk des Schreibens ein: Figuren und Plot, Beschreibungen und Dialoge, Perspektive. Auch ein Abschnitt zur Überarbeitung fehlt nicht, und die Lektionen werden illustriert an Hand der Kurzgeschichte "Kathedralen" von Raymond Carver, die im Buch komplett abgedruckt ist.

 

Ein absolut brauchbares Handbuch für das Selbststudium des Kreativen Schreibens, das auch für erfahrene Schreibende noch Neues enthält - oder wieder einmal an die Grundlagen erinnert :-)

Es geht nicht darum, zum Meer zu kommen

... sondern darum, ein Fluss zu sein.

nach Krishnamurti

 

Buchgeschenk Mann für Freundin

Ulrike Scheuermann: Schreibdenken

Schreiben als Denk- und Lernwerkzeug nutzen und vermitteln
Verlag Barbara Budrich, 2012

Was ist Schreibdenken, und wie können Hochschullehrende es für sich selbst und ihre Studierenden nutzen? Schreibdenken bedeutet, beim Schreiben die Gedanken weiterzuentwickeln; Schreibdenken als Methode verbindet assoziative, strukturierende, reflektierende Elemente und noch einiges mehr, das sowohl die Entwicklung von Sachthemen als auch die ganz persönliche Weiterentwicklung fördern kann - nicht zuletzt auch die eigenen Schreibfähigkeiten und die Lust am Schreiben. Frau Scheuermann zeigt zunächst den Zusammenhang mit anderen Konzepten auf und stellt den Schreibprozess und verschiedene Schreibtypen (wie z.B. den "Drauflosschreiber" oder den "Patchworkschreiber") vor. Besonders wertvoll: Der "Methodenkoffer", der konkrete Schreibanregungen enthält. Die beiden letzten Kapitel beschäftigen sich damit, wie Schreibdenken in Lehre und Unterricht und als Selbstcoaching-Methode eingesetzt werden kann.

Mit dem kompakten, anschaulich geschriebenen Büchlein werden nicht nur Hochschullehrer und -lehrerinnen etwas anfangen können, sondern vielmehr alle, die sich intensiver mit dem Schreiben auseinandersetzen wollen, z.B. für die Schreibgruppenleitung in der Erwachsenenbildung oder allgemein für das berufliche Schreiben.

Die Äcker der Kindheit

Auf den Äckern der Kindheit blüht der Mohn
Und das Unkraut dazwischen
Auf den Äckern der Kindheit liegt Samen
Der noch nicht aufgegangen ist
Auf den Äckern der Kindheit wächst Verschiedenes
Manches wächst mickrig. Manches blüht.
Manches verdorrt.
Auf den Äckern der Kindheit darf Unkraut sein
Unkraut ist Ansichtssache
Die Äcker der Kindheit liegen brach
Sie erholen sich
Vom Pflügen und Wachsen
Die Äcker der Kindheit wussten nicht
Dass die Felder der Freiheit
Ihre Nachbarn sind
Die Äcker der Kindheit bergen alles
Das Künftige und die Vergangenheit
Aus den Äckern der Kindheit speist sich
Was Nahrung braucht