2020

was ich habe

ich habe ackererde
an den füßen
darunter die plätze
der steinernen stadt

ich habe das dach überm kopf
den kirschbraunen schreibtisch
und einen weißen aus schichtstoff

ich habe vier telefone
und so viele räume
dazu mein fahrrad, mein radio
handwerker und freundinnen

ich hab eine reihenfolge
für die wörter
und staune täglich
über ihre verschiedenheit

ich habe lange, altmodische flure
und die rote tür zur werkstatt
bei st. leonhard


hier schlägt mein herz
in der stille

366 unbeschriebene Tage

Am 6. Januar verzeichnen die Volkshochschulen jeweils die höchsten Anmeldezahlen für ihre Kurse - das sagt die Statistik.

 

Nachdem alle Weihnachtsgeschenke ausgepackt (und unpassende bereits wieder umgetauscht) sind, die Weihnachtsgans oder das vegane Festtags-Curry verzehrt wurden, tritt bei vielen offenbar der Wunsch nach persönlichem Wachstum zutage. Die Zeit zwischen den Jahren gehörte der Familie und dem Freundeskreis - oder dem Alleinsein mit sich. Es war Zeit zum Innehalten, für lange Spaziergänge, genussvolles Lesen, absichtsloses Surfen. Zeit, in der Gedanken und Gefühle kommen durften, die im Alltag oft untergehen.

 

Neujahrsvorsätze wurden gefasst, Aufbruchstimmung macht sich breit: Mehr Sport, Spiel und Entspannung ins Leben holen. Sich eine neue Sprache aneignen, endlich die eigene Webseite einrichten, Vorträge hören. Nähen lernen, singen, einen Kochkurs machen.

 

2020 hat so viele Möglichkeiten. Wie 366 unbeschriebene Seiten. Jeder Tag ein Umblättern. Nicht nur einmal im Jahr.